EU-FörderungNeue internationale Netzwerk-Projekte zu Erdbebenrisiken und Pilzen als Pflanzenschutzmittel
16. März 2026, von Newsroom-Redaktion

Foto: Kaztin Jones/Eivind Senneset
Exzellente Forschung braucht interdisziplinären und weltweiten Austausch. Diesen unterstützen auch die Staff Exchanges der Marie Skłodowska-Curie Actions – eine europäische Förderlinie, in der zwei Forscherinnen der Universität Hamburg mit ihren Projekten erfolgreich waren.
Die Projekte von Prof. Dr. Bianka Siewert und Prof. Dr. Olena Dubovyk sind beide an der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften angesiedelt und haben eine Laufzeit von 48 Monaten. Im Fokus der Förderlinie steht insbesondere der internationale Austausch – sowohl von Personen durch Konferenzen und Gastaufenthalte als auch von Wissen. An den Kooperationen sind dabei nicht nur Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen beteiligt, sondern auch Partnerorganisationen aus der Praxis, etwa Unternehmen. Gemeinsam sollen in den Netzwerken innovative Fragestellungen behandelt werden.
Beyond Epicenters: Multifaktorielle und vernetzte Bewertung von Erdbebenrisiken und -folgen
Um das Risiko eines Erdbebens und seine Folgen abzuschätzen, werden bisher vor allem physische Gegebenheiten eines Gebietes berücksichtigt. Wirtschaftliche, soziale und infrastrukturelle Wechselwirkungen werden bei der Bewertung oft nicht umfassend berücksichtigt. Dazu zählen etwa monetäre Mittel für den Wiederaufbau, Einbindung in übergeordnete Strukturen sowie Netzwerke zur Bereitstellung von Hilfsmaßnahmen im Ernstfall. Diese Lücke soll mit dem Projekt „Beyond Epicenters: Assessing Earthquake Vulnerability Through Economic and Social Networks“ geschlossen werden. Gemeinsam wollen die Forschenden innovative, mehrschichtige Vulnerabilitätsmodelle und dynamische Risikokarten entwickeln, um die mit Erdbeben verbundenen Risiken und Gefahren besser erfassen zu können. Fallstudien in der Türkei, Marokko und Portugal werden die Übertragbarkeit des Ansatzes auf verschiedene regionale Kontexte demonstrieren.
Koordiniert wird das Projekt an der Universität Hamburg. Prof. Dr. Olena Dubovyk ist Professorin für Erdsystemwissenschaften, insbesondere terrestrische Fernerkundung, und forscht am Fachbereich Erdsystemwissenschaften sowie im Exzellenzcluster CLICCS. Ihr Fachwissen wird sie in den Bereichen Erdbeobachtung, räumliche Modellierung und datengestützte Risikoanalyse einbringen. Zudem gehören dem interdisziplinären und internationalen Konsortium Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Portugal, Deutschland, Norwegen, der Türkei, der Ukraine, Marokko und Aserbaidschan sowie Partner aus der Industrie an. Das Projekt verfügt über ein Gesamtbudget von rund 2,8 Millionen Euro und fördert die internationale Mobilität, den Wissensaustausch und den Kapazitätsaufbau in der Katastrophenrisikoforschung.
EPIC: Biologische Schädlingsbekämpfung mithilfe von Pilzen
Sogenannte entomopathogene Pilze infizieren Insekten und töten sie nach einiger Zeit. Damit gelten sie als umweltfreundliches Pflanzenschutzmittel, insbesondere für Nutzpflanzen, und könnten zur Umsetzung einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen. Das Projekt „EPIC – Entomopathogenic fungi: physiology, integrated multi-omics, and environmental competence“ zielt darauf ab, auf genetischer und molekularer Ebene die verschiedenen Prozesse zu untersuchen, durch die die Pilze mit Pflanzen und Schädlingen interagieren. Besonders interessant sind dabei die konkreten Bedingungen, unter denen sie nützliche Verbindungen eingehen, und die Anpassungsstrategien, mit denen die Pilze in verschiedenen Umgebungen überleben oder sogar besonders gut wachsen. Gemeinsam sollen verschiedene Ansätze aus Ökologie, Physiologie, Genetik sowie der Zellanalyse kombiniert werden, um möglichst wirksame Produkte zu entwickeln.
Das Projekt, das mit mehr als 700.000 Euro gefördert wird, bringt führende europäische Universitäten und Forschungsinstitute aus Deutschland, Griechenland, Österreich, der Schweiz und Italien zusammen. Die Leitung liegt bei Prof. Dr. Bianka Siewert, Professorin für Pharmazeutische Biologie und Arbeitsgruppenleitung am Fachbereich Chemie der Universität Hamburg. In dem Netzwerk werden Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs, technische Assistenzen und Forschende aktiv den Austausch mit der Agrarpraxis und -wirtschaft suchen, um zu einem sichereren und nachhaltigeren Pflanzenschutz beizutragen, den Einsatz chemischer Pestizide zu reduzieren, die biologische Vielfalt zu fördern und neue wirtschaftliche Möglichkeiten im Bereich der Biopestizide zu schaffen.

