Nachhaltigkeit als LeitmotivProf. Dr. Alexander Bassen erhält Bundesverdienstkreuz
2. März 2026, von Newsroom-Redaktion

Foto: privat
Sowohl als Forschungsthema als auch in der eigenen wissenschaftlichen Arbeit setzt Prof. Dr. Alexander Bassen seit mehr als 20 Jahren den Fokus auf die Nachhaltigkeit. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen bringt der Professor für Kapitalmärkte und Unternehmensführung an der Universität Hamburg in Wissenschaft und Praxis ein. Für seinen Einsatz wurde er am 27. Februar 2026 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Sie forschen seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Universität Hamburg zu nachhaltigem Wirtschaften. Wie hat sich die Wahrnehmung Ihres Themengebietes in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Das Thema hat sich sehr zyklisch verändert. Ich habe mich früh auf die Frage der Relevanz von Nachhaltigkeit für die Finanzierung von Unternehmen und auf organisierten Kapitalmärkten fokussiert. Anfangs war das vor allem ein Nischenthema. Das hat dazu geführt, dass es kaum möglich war, dazu in Top-Journals zu publizieren. Auch die Umsetzung in der Praxis war vor allem von der Frage getrieben, ob durch die Berücksichtigung „nicht-finanzieller Informationen“ – so wurden Kennzahlen der Nachhaltigkeit wie die CO2-Emissionen damals genannt – eine höhere Rendite oder ein geringeres Risiko erzielt wird.
Das hat sich deutlich verändert, als das Thema nach 2018 stärker in die europäische Regulierung aufgenommen und für die meisten Unternehmen und Investitionen standardmäßig Teil der Berichterstattung wurde. Heute spüren wir sowohl in der Forschung als auch in der Praxis Gegenwind, da Nachhaltigkeit aktuell wieder vermehrt als Hemmnis wirtschaftlichen Erfolgs diskutiert wird. Ich bin aber sehr positiv, dass auch diese Entwicklung ausgeglichen wird, denn die physischen Nachhaltigkeitsrisken für Unternehmen und Kapitalmärkte bleiben faktisch unabhängig von gesellschaftlichen Wahrnehmungen.
Auch an der Universität haben Sie sich von Anfang an für Nachhaltigkeit und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihr eingesetzt, etwa als Direktor des Kompetenzzentrums Nachhaltige Universität oder als Koordinator des Verbundprojektes HOCHN. Welche Erfolge sind Ihnen besonders wichtig?
Der größte Erfolg ist sicherlich, dass wir durch die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen sowohl an der UHH als auch mit den anderen Universitäten das Thema Nachhaltigkeit in viele Fakultäten und Fachbereiche der Universitäten getragen haben. Jeder Bereich hat sich zumindest die Frage gestellt und zumeist auch spannende Antworten darauf geliefert, welche gesellschaftliche Relevanz die eigene Arbeit hat. Das zeigt sich auch daran, dass die Exzellenzstrategie 2019 unter der Überschrift „Innovating and Cooperating for a Sustainable Future“ erfolgreich war. Besonders freut es mich, dass das Thema heute eine ganz andere Selbstverständlichkeit hat als vor 20 Jahren.
Die Auszeichnung ehrt auch ihre Transferleistungen. Welche Bedeutung hat der Austausch zwischen Forschung und Praxis für Sie?
Als Ökonom ohne Kontakt zur Praxis zu arbeiten, ist für mich nicht sinnvoll. Transfer ist für mich eine zentrale Verpflichtung, nicht nur meine Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen, sondern vor allem viel aus der Praxis zu lernen und neue Forschungsfragen abzuleiten. Insbesondere die Arbeit in den vielen politischen Beratungsgremien wie dem Rat für Nachhaltige Entwicklung oder dem Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderung der Bundesregierung sowie in den Gremien zur Entwicklung von Standards, etwa dem Greenhouse Gas Protocol, ist sehr bereichernd – aber mitunter auch mühsam, da die wissenschaftlichen Empfehlungen oft nicht oder nur selektiv umgesetzt wurden. Aber auch das sind spannende Erkenntnisse für die Forschung.
Zur Person
Prof. Dr. Alexander Bassen ist seit 2003 Professor für Kapitalmärkte und Unternehmensführung an der Universität Hamburg. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist Sustainable Finance and Accounting. Seine Expertise bringt er regelmäßig in politischen und wirtschaftlichen Gremien ein. So war er Mitglied im Sustainable Finance Beirat des Bundesfinanzministeriums und entwickelte als Teil Sustainability Reporting Board der European Financial Reporting Advisory Group verpflichtende europäische Standards für Unternehmen bei Nachhaltigkeitsberichten mit.