Fachtag: Aufenthaltsstatus und Zugang zum Arbeitsrecht
Wann: Do, 26.03.2026, 10:00 Uhr bis 17:15 Uhr
Wo: Von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg
Der Fachtag zeigt auf, welche Auswirkungen aufenthaltsrechtliche Rahmenbedingungen (z. B. Duldung, Niederlassungserlaubnis, Einbürgerung, Familiennachzug, Westbalkanregelung, Freizügigkeit oder Arbeitnehmerentsendung) für die Möglichkeit von Beschäftigten, ihre Arbeitsrechte einzufordern, haben. Ausgehend von empirischen Forschungsprojekten und praktischen Erfahrungen von Beratungsstellen wird unter anderem nachgezeichnet, wie die Kopplung von Arbeit und Aufenthalt, der Ausschluss von Sozialleistungen oder eine Arbeitgeberbindung Beschäftigte daran hindern können, gegen Arbeitsrechtsverletzungen vorzugehen.
An konkreten Beispielen wie einem Streik in einem Leipziger Logistiklager oder Rechtskonflikten georgischer Saisonarbeiter:innen auf deutschen Erdbeerhöfen wird anschließend diskutiert, unter welchen Umständen Rechtsmobilisierung und gewerkschaftliche Organisierung trotz restringierender aufenthaltsrechtlicher Rahmenbedingungen erfolgreich sein können. Abschließend wird anhand des Werkvertragsverbots in der Fleischindustrie, der Reform der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und der Richtlinie (EU) 2024/1233 der Frage nachgegangen, welchen Beitrag unterschiedliche gesetzliche Veränderungen für eine verbesserte Durchsetzung von Beschäftigtenrechten leisten (können).
Programm
Teil 1: Aufenthaltsstatus und Zugang zum Arbeitsrecht (I) (10:00-11:15)
Nikolai Huke (Universität Hamburg): Einführung. Das Aufenthaltsrecht als Recht, das (Arbeits-)Recht de facto außer Kraft setzt?
Maren Kirchhoff (Universität Kassel): Duldung
Shabana Hewad (IQ Projekt Faire Integration Mecklenburg-Vorpommern): Niederlassungserlaubnis, Einbürgerung und Familiennachzug
Teil 2: Aufenthaltsstatus und Zugang zum Arbeitsrecht (II) (11:45-13:00)
Christian Sperneac-Wolfer (IfS Frankfurt/PECO-Institut): Westbalkanregelung
Anastasia Tereshchuk (IQ Projekt Faire Integration Hamburg): Fachkräfteeinwanderung
Bernadett Petö (Faire Mobilität): Freizügigkeit, Arbeitnehmerentsendung und Arbeit über ausländische Agenturen
Teil 3: Arbeitsrechtsmobilisierung trotz Aufenthaltsrecht (14:15-15:30)
Sarah Tews (Universität Hamburg) & Christoph Wolter (Beratungsstelle Arbeit Duisburg): Ermöglichungsbedingungen der individuellen Mobilisierung von Beschäftigtenrechten
Markus Köck (Hochschule Fulda): Kollektive Rechtskämpfe. Zugang zum deutschen Arbeitsrecht für prekäre Saisonarbeiter*innen
Mareike Biesel (Universität Göttingen): Gewerkschaftliche Organisierung trotz aufenthaltsrechtlicher Prekarität: Streik in einem Leipziger Logistiklager
Teil 4: Rechtliche Reformen und ihre Umsetzung (16:00-17:15)
Peter Birke (SOFI Göttingen): Effekte des Werkvertragsverbots in der Fleischindustrie
Frederic Hüttenhoff (IAQ Duisburg): Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten. Zur Reform der Finanzkontrolle Schwarzarbeit
Claudius Voigt (GGUA): Die Richtlinie (EU) 2024/1233 - Chance für eine bessere Durchsetzung von Beschäftigtenrechten?
Der Fachtag richtet sich insbesondere an Praktiker:innen, etwa Gewerkschafter:innen, Arbeitgeber:innen, Berufsschullehrer:innen, Jurist:innen, Sozialarbeiter:innen und Mitarbeiter:innen von Beratungsstellen oder Behörden. Studierende, Wissenschaftler:innen und andere Interessierte sind ebenfalls herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle angemeldeten Teilnehmer:innen erhalten einen digitalen Reader mit Hintergrundtexten. Zur Anmeldung senden Sie bitte eine formlose Mail an fachtag-aufenthaltsstatus.wiso@uni-hamburg.de.