Workshoptag: „Antirassistische Wissensarchive und migrantische Kämpfe“
Wann: Do, 26.03.2026, 10:00 Uhr bis 17:15 Uhr
Wo: Von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg
Der Workshoptag besteht aus drei Veranstaltungen, die sich mit der Geschichte antirassistischer und migrantischer Kämpfe auseinandersetzen. Dabei wird unter anderem der Frage nachgegangen, welche Brücken von den Kämpfen früherer Generationen zu aktuellen (post-)migrantischen Kämpfen in unserer Gesellschaft geschlagen werden können.
Die Workshops sind kostenlos und können auch einzeln besucht werden. Wir bitten um eine kurze formlose Anmeldung – gerne mit dem Betreff „Workshoptag Wissensarchive“ und einer Angabe der Teile des Workshoptags, die ihr besuchen möchtet – an: limo@kohero-magazin.de.
Teil 3: Semra Ertan wird aufgrund des kreativen Formats mit begrenzter Teilnehmendenzahl stattfinden, daher lohnt sich hierfür eine frühzeitige Anmeldung.
Veranstaltet wird der Tag von kohero als Teil der Task Force „Globale Verteilungskämpfe. Migrationsabwehr als Quelle autoritärer Gefährdung der Demokratie“ (gefördert durch die VolkswagenStiftung). Er findet im Rahmen einer Konferenz des Netzwerks kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) statt.
Teil 1: Erinnerungspolitische Fragmente. Lebenswege – Konflikte – Solidarisierungen innerhalb migrantisch-feministischer Kämpfe (10:00-11:15 Uhr)
mit Annita Kalpaka und Efthimia Panagiotidis, Mitinitiatorinnen des Projekts migrantisch.antirassistische.feminismen. Das Projekt ist Teil des digitalen Archivs ver/sammeln antirassistischer Kämpfe und soll als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit heutigen migrationspolitischen Verhältnissen dienen
Moderation: Valeria Bajaña Bilbao (kohero)
Gezeigt werden Auszüge aus Videoaufzeichnungen, in denen Protagonistinnen der 1980er- und 1990er-Jahre über ihre vielfältige Praxis in migrantischen Selbstorganisationen und Bündnissen berichten. Der Einblick in das lebendige Archiv von feministisch-antirassistischen Lebenswegen bietet die Option mit Blick auf einen intergenrationellen Dialog über die Bedeutung von widerständigen Wissensarchiven und über die Art und Weise wie Wissen weitergegeben werden kann, nachzudenken.
Was bedeuten eigentlich Kämpfe früherer Generationen für heutige Kämpfe? Was waren zentrale Spannungsfelder und Forderungen aus migrantisch feministische Sicht in der Migrationsgesellschaft der 1980er und 90er Jahre? Welche davon sind heute noch bzw. wieder aktuell? Und mit welchen Herausforderungen sind wir heute konfrontiert? Über solche Fragen wollen wir gemeinsam mit dem Publikum ins Gespräch kommen.
Teil 2: Buchvorstellung: Sichtbar werden. Auf den Spuren der Kämpfe linker Afrikaner*innen in Hamburg (11:45-13:00 Uhr)
mit den Autor:innen Josephine Akinyosoye und Johannes Tesfai
Moderation: Valeria Bajaña Bilbao (kohero)
Ob es um den Einsatz gegen die Apartheid in Südafrika, die Verbreitung panafrikanischer Ideen, Solidaritätsarbeit mit den Befreiungsbewegungen der »3. Welt« oder den Kampf gegen strukturellen und alltäglichen Rassismus in der BRD ging: Afrikanische Linke waren und sind schon lange sozial, kulturell und politisch aktiv.
Eine der größten Schwarzen Communitys der Bundesrepublik setzte seit den 1970er-Jahren politisch und gesellschaftlich zentrale Themen auf ihre Agenda und zog Aktivist*innen und Intellektuelle aus verschiedenen Herkunftsländern an. Das Buch erzählt die Geschichte der ersten Jahrzehnte dieser Selbstorganisierung, ihrer zentralen Personen, Gruppen und Initiativen, die vehement für globale Gerechtigkeit stritten. Die Aktivist*innen kämpften darüber hinaus um Räume und Ressourcen und versuchten Orte zu schaffen, in denen sie Schutz vor dem Rassismus der Mehrheitsgesellschaft fanden. Dabei war Afrika als Bezugspunkt ihrer Politik immer gegenwärtig.
In dem Buch werden die Spuren, Stationen und Diskurse dieser Kämpfe freigelegt. Damit wird erstmals die Geschichte einer panafrikanischen, antirassistischen und antiimperialistischen Bewegung in einer bundesrepublikanischen Großstadt ausgegraben. Die Autor*innen zeigen einen zu weiten Teilen verschütteten Aktivismus auf, den Generationen selbstbewusster Schwarzer Aktivist*innen schon lange vor den Diskussionen um Black Lives Matter in Deutschland betrieben.
Teil 3: Semra Ertan (14:15-17:15 Uhr)
Seminarleitung: Shahanshah Sayed und Kristina Theilig
In unserem kreativen Seminar wollen wir uns das Leben und die Gedichte von Semra Ertan anschauen. In über 350 Gedichten hielt sie ihre Erfahrungen als Migrantin, Arbeiterin und Aktivistin in Hamburg und Deutschland der 1970er Jahre fest. Ihre Texte erzählen von Widerstand, Wut, Liebe und Sehnsucht… Gemeinsam lesen wir einige ihrer Gedichte, diskutieren ihre Bedeutung im Kontext der Arbeitskämpfe der 70er Jahre und schlagen die Brücke zu aktuellen (post-)migrantischen Kämpfen in unserer Gesellschaft.
Bitte bringt für den kreativen Teil des Seminars eigene Handys und Kopfhörer mit.